Warum dürfen moderne Autos nicht mehr mit den Augen klimpern?
Klappscheinwerfer gehören zu den auffälligen Details außergewöhnlicher Automodelle, an die sich Oldtimer- und Youngtimer-Liebhaber noch immer mit etwas Wehmut im Herzen erinnern. Umgangssprachlich wurden die versenkbaren Scheinwerfer auch Schlafaugen genannt, und tatsächlich gaben sie den Fahrzeugen ein Gesicht, an das sich jeder, der ein Faible für schöne Autos hat, gern zurückerinnert. Warum werden eigentlich keine Autos mehr mit solchen Scheinwerfern gebaut? Bis 2004 wurde die Chevrolet Corvette C5 produziert und zusammen mit dem italienischen De Tomaso Guara gehört sie vermutlich zu den letzten Sportwagen, die mit den Augen klimpern konnten. Manche argwöhnen, dass die gesetzlichen Vorschriften für das Verschwinden der beliebten, versenkbaren Scheinwerfer verantwortlich wären, doch daran liegt es nicht.

Die Parade der Schönsten
Der Beginn der Schlafaugen-Geschichte liegt deutlich weiter zurück, als die meisten vermuten würden. Schon Mitte der 1930er Jahre wurde in den Vereinigten Staaten von der Auburn Automobil Company der Cord 810/812 gebaut. Gordon Buehrig hatte die Idee, die Limousine mit Frontantrieb mit Flugzeugscheinwerfern auszustatten, die beim Landeanflug ausgeklappt wurden. In späteren Jahren wurden in den USA eine ganze Reihe von Limousinen mit versenkbaren Lampen ausgestattet, bei den europäischen Automobilbauern Lamborghini, Maserati und Ferrari blieb diese stylishe Ausstattung vorwiegend den sportlichen Modellen vorbehalten, wobei es technische Unterschiede bei der Ausführung gab. Beim Porsche 914 z. B. werden die Lampen durch eine Drehung um die Querachse herausgefahren, während sie bei Lamborghinis Miura auch im ausgeschalteten Zustand sichtbar bleiben. Opel verzichtete sogar auf einen elektrischen Antrieb in diesem Bereich. Wer einmal den ab 1968 gebauten Opel GT fahren konnte, erinnert sich vermutlich noch gut daran, dass es gar nicht so einfach war, die Leuchten per Handhebel zu positionieren. Doch nicht nur im obersten Preissegment waren versenkbare Lichtquellen vertreten, denn auch der Fiat X 1/9 und der Mazda MX-5 bis 2003 gebaute Mazda 323 hatten wegen ihrer eleganten Leuchten viele Liebhaber. Zu den letzten Liebhaber-Modellen mit Klappscheinwerfern gehört auch der Esprit von Lotus und es sieht so aus, als würde es keine Renaissance dieser Modelle geben. Falls Sie noch ein solches Schätzchen in der Garage haben, sollten Sie es also sorgsam hüten. Ersatzteile für Fahrzeuge mit Klappscheinwerfer gibt es z.B. bei Teilestore für die Mazda MX Baureihe.

Ökonomie oder schönes Design – das ist die entscheidende Frage
Als die oben genannten Modelle noch häufiger im Straßenverkehr unterwegs waren, wurde die Frage der Sicherheit kontrovers diskutiert. Es hieß, bei Zusammenstößen mit diesen Fahrzeugen wären Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer durch die herausstehenden Leuchten besonders stark gefährdet. Doch in der Praxis bestätigte dieser Verdacht sich nicht und es gibt kein Gesetz, dass den Einbau der beliebten „Augen“ verbieten würde. Warum die schönen Scheinwerfer an den neuen Modellen nicht mehr zu finden sind, hat vor allen Dingen handfeste ökonomische Gründe. Die Windschlüpfrigkeit eines Fahrzeugs wird durch die herausstehenden Teile verschlechtert und die Autohersteller sehen sich heute gezwungen, die Autos so zu gestalten, dass der Spritverbrauch möglichst niedrig bleibt. Moderne Xenon-Lampen und das Einschalten von Tagfahrlicht sind weitere Argumente gegen die schönen Augen.

 

Written by Du Ke

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